Ich habe eine Abneigung gegen Gruppenreisen. Immer schon gehabt, und vermutlich werde ich sie auch immer haben. Trotzdem hatte ich mich überreden lassen, eine drei Tagesreise mit 'Adventure Tours' zu buchen. Besagter Trip sollte in Darwin beginnen, wo Olaf und ich uns mit Dinka und Boris trafen, um zu aller erst unsere eigene Kleingruppe zu formieren. Quasi als Abwehrschild gegen eventuelle andere Gruppen innerhalb der Reisegruppe. (Man beginnt zu begreifen, warum ich Gruppenreisen nicht mag. Abgesehen davon, dass man sich mit völlig fremden Menschen gut verstehen muss, komme was da wolle.) Der erste Tag in Darwin wurde folglich genutzt, unsere eigene Kleinzelle einzuschwören, was sofort im ersten Pub unternommen wurde, in dem Boris die größte kommerziell erwerbliche Bierflasche entdeckt hatte, Fassungsvolumen 2 Liter. Da war die männliche Freude groß. Am nächsten Morgen wurden wir dann gegen 6 Uhr aus unseren Hostels abgeholt, die Neugierde auf die anderen Teilnehmer war groß, ich hatte mich mit einem doppelten Kaffee und einem warmen Lächeln ausgerüstet und war bereit für die Menschheit - wie sich dann herausstellte völlig unnötig. Ein Vorteil von Adventure Tours sind die Kleingruppen; unsere Gruppe war sogar so klein, dass sie außer uns vier und dem Guide niemanden mehr umfasste. Aus irgendeinem Grund wollte niemand mit uns auf die 'Unleashed'-Tour gehen - als ich später mit Atemnot die Klippen im Kakadu National Park erklommen habe konnte ich mir kurzfristig auch vorstellen warum. Aber nur kurzfristig. Den ersten Tag unserer Tour hatten wir gänzlich den Krokodilen gewidmet, wir haben Orte gesehen, an denen nicht nur Crocodile Dundee, nein!, sondern auch der Crocodile Hunter Steve Irwin höchst persönlich schon vor uns gewesen war. Am zweiten Tag hatten wir dann kein bequemes Boot mehr, sondern mussten die Jim Jim Falls hochklettern. Ich war, da im Prospekt von 'hiken' die Rede war, für mich 'wandern', völlig falsch ausgerüstet mit einer Umhängetasche, die mich an mehreren Felsspalten fast das Leben gekostet hätte, und Sneakers, deren Profil quasi nicht vorhanden war und in denen ich (das lag natürlich NUR an den Schuhen!)ein Dutzend Mal umgeknickt bin. Abgesehen davon war es aber jeden Schweißtropfen wert. Am Ende eines langen Weges waren wir plötzlich oben angekommen - vor uns lag ein grünblau funkelnder See, umgeben von meterhohen Felswänden, aus denen ein kristallener Wasserfall stürzte, flache Steinformationen luden zum Sonnenbaden ein, und hinter uns stürzten tosend die eigentlichen Jim Jim Falls in den Abgrund. Unter uns das Becken des Wasserfalls, Wälder und Weite, um uns kaum andere Menschen, das Wasser war kühl und sauber, und innerhalb von Minuten war jede Erschöpfung vergessen. Wir waren in einem kleinen, versteckten Paradies angelangt, ein Ort, den man auf Fotos nicht festhalten kann. Die Jim Jim Falls waren erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet worden (sie sind während der Regenzeit zu gefährlich für Besucher), folglich floß das Wasser noch reichlich und der Ort war noch nahezu unberührt von den Menschen, die ihn finden und besuchen. Nachdem wir einige Stunden an diesem Steinpool verbracht hatten (Ich musste mich zwischenzeitlich wie eine Schlange zwischen den Steinen zusammenrollen, um etwas Schatten zu bekommen - man hat es als Original-Rothaarige nicht leicht), mussten wir uns an den quälenden Abstieg machen, denn wir wollten vor Sonnenuntergang auch noch zum eigentlichen Becken der Falls wandern. Im Tal angekommen war mein Gesicht wieder quietschrot, meine sämtlichen Gedanken waren auf's Atmen gebündelt und darauf, möglichst nicht noch über die Steinbrocken, zwischen denen wir hin und her kraxeln mussten, zu stürzen. Folglich habe ich den zwei Touristen, die uns entgegenkamen, auch nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt als nötig war um zu bemerken, dass der erste Mann sehr groß war und kein T-Shirt anhatte. Man grüßte sich beiläufig und passierte sich - bis Boris plötzlich in völliger Aufregung von hinten seine Entrüstung kundgeben musste: "Und ihr wisst natürlich nicht, wer das ist!" Besagter Mann ohne T-Shirt rief darauf mit dunkler Stimme: "Wer denn!" Mitten im Nirgendwo waren wir Dirk Nowitzki über den Weg gelaufen, dem (wie ich mir erklären lassen musste), einzigem europäischen Spieler, der jemals den 'NBA Most Valuable Player Award' bekommen hat. Was noch interessanter war, war die Tatsache, dass Boris ihn bereits in Sydney zufällig getroffen hatte, worüber beide dann kurz ins Gespräch gerieten, um sich dann über die Reise zu unterhalten. Als Paul, unser Guide, uns dann antreiben wollte, da die Dämmerung immer näher rückte, fragte Dirk Nowitzki uns Bande unvermögender Studenten: "Wie - ihr habt euch hier einen eigenen Guide genommen?"
Es stellte sich schließlich heraus, dass Herr Nowitzki und seine Begleitung (ich würde tippen es war sein Vater) auf dem falschen Weg unterwegs waren - nämlich auf dem, den wir gerade herabgestiegen waren. Unser Guide hat dann erklärt, dass man diesen Weg ohne Wasser nicht besteigen sollte und schon überhaupt nicht am Nachmittag, weil man es dann nicht mehr vor der Dunkelheit hinunter schaffen könnte. Folglich waren wir dann alle zusammen auf dem gleichen Weg unterwegs zum unteren Pool. (Man könnte sich fragen, was passiert wäre, wenn die beiden uns nicht getroffen hätten. Die NBA kann uns dankbar sein.) Der Weg ist steinig, was in diesem Falle bedeutet, dass die Steine rund und hoch und eigentlich Felsbrocken sind, die wild herumliegen und die Sicht nach allen Seiten versperren. Paul war anscheinend irgendwann ungedulig geworden und wollte schwimmen, jedenfalls war er plötzlich verschwunden. Dinka hatte es zunächst noch geschafft, ihm auf den Fersen zu bleiben - wir riefen nach beiden, bekamen aber keine Antwort. Irgendwann redete Dirk Nowitzki mit jemandem. 'Have you seen a guide?' .... 'Oh, so you're lost as well!' Und noch während ich mich wunderte, mit wem er sprechen könnte, kam Dinka zwischen den Felsen hervorgeklettert. Es ist einfach wirklich von Vorteil, wenn man so groß ist. Man behält den Überblick.
Den Weg haben wir schließlich allein gefunden. Unser Guide lag schon am Strand des Sees, und auf unsere Klagen hin, dass er uns weggelaufen sei, bemerkte er verwundert, dass es doch gar kein Problem gegeben habe, schließlich sei da ja nur ein Weg. Den muss man aber erstmal finden.
Nach dem ersten Bad waren wir aber schon wieder glücklich. Auch hier klares, kühles Wasser, dazu die Wasserfälle, und tatsächlich waren wir die einzigen Besucher. Abgesehen von Dirk Nowitzki und seinem Vater natürlich. In all unseren Fotos von diesem See kann man nun im Hintergrund eine kleine Figur sehen, die rumläuft oder auf einem Stein sitzt. Wer es weiß kann dort den 'Most Valuable Player' der NBA erkennen. Wem man nicht alles begegnet.






5 Kommentare:
das ist ja mal sowas von... dass kann ich gar nicht glauben. ihr habt hoffentlich ab nun kontakt zu mehreren millionen scheinen von dollars. oder wenigstens eine dicke fette einladung nach amerika!
Weder haben wir eine Belohung noch eine Einladung bekommen...stimmt aber, eigentlich doch sehr unhöflich.
@1234rock
ja, der ist so groß...2,13m
Hallo,
das war nicht Dirk Nowitzkis Vater, sondern sein Trainer und Mentor Holger Geschwindner.
Dies nur zur Ergänzung.
Sehr schön geschrieben
Viele Grüße
Soweit ich mich erinnere, haben wir was von Dirks Feuerholz abbekommen..
Sehr coole Texte, Julia! ;)
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