Dienstag, 24. Juli 2007

And as the story continues...

 Mein Glück mit den technischen Errungenschaften auf vier Rädern ist ja nun hinlänglich bekannt. Nach dem Totalzusammenbruch kurz hinter der Harbour Bridge und der ungewollten Talfahrt trotz Handbremse samt Verletzung eines unschuldigen Baumes mit den letzten zwei Vehikeln, hinter deren Steuerrädern ich Platz genommen hatte, hatte ich ja schon leise Vermutungen geäußert, dass irgendeine schicksalsgebende Kraft mir nach dem Leben trachten könnte.
Ohne zu übertreiben, man könnte sagen - fast wäre es gelungen.
Oder aber man könnte sagen, dass das Karma mich ausnehmend gutes und wertvolles Mitglied der menschlichen Gemeinschaft warnen wollte. Eine Karte, gebracht von einer weißen Taube, hätte vielleicht besser funktioniert. Denn immerhin glaubte ich jetzt eine ganze Weile, meine Fahrzeugkatastrophen müssten irgendwie an mir liegen. Sinnvoll wäre ungefähr dieser Ratschlag des Universums gewesen: "Liebe Julia, willkommen in Australien. Schön dass du da bist, wenn du Glück hast, wird das eine wirklich gute Zeit. Aber hör auf Mutter Zeit, halte dich von der Kombination schneller Autos und deutscher Jungens fern."
Was ist passiert? Folgendes. Der Tag hatte früh in Katherine begonnen, kurz nach Sonnenaufgang waren wir untwegs zum Nitmulik National Park, wo wir den ganzen Tag mit Kanus über den Fluß zwischen den Felswänden der überwältigenden Katherine Gorge geschippert waren. Vielleicht hätte ich schon gewarnt sein müssen, als mein Kanu, all meinen Bemühungen zum Trotz (Boris und ich haben gar versucht, rückwärst den Fluss hinauf zu fahren), stetig im Kreis gefahren ist - was vor allen Dingen einen stärkeren Ruderaufwand erfordert hat, was mir am Ende des Tages Blasen und Aluminiumspuren (vom Ruder) an den Händen sowie steife Arme und Schultern eingebracht hat. (Zwischenzeitlich dachte ich, ich müsste verhungern, weil ich meine Arme nie wieder würde beugen können. Essenstransport unmöglich.)Ein großartiger Tag trotz allem, nach den harten körperlichen Bemühungen hatte ich mich selbst mit einem Eis belohnt - Magnum Ego mit doppelt Schokoloade und Karamell - da fühlten sich die Arme schlagartig wieder gut an, und bald darauf saßen wir in unserem tapferen Mietwagen und waren unterwegs nach Daly Waters. Nun kann man sich denken, dass zu diesem Zeitpunkt der Tag schon vorangeschritten war und der Sonnenuntergang nahe.
Was ich aus Namibia weiß: Niemals in der Dämmerung fahren oder kurz danach. (Was man sich aber auch mit Menschenverstand erschließen könnte.) Schließlich ist das großartige am Outback ja, dass man sich in der Wildnis befindet. Und was findet man in der Wildnis? Richtig! Wilde Tiere!
Nun gut. Ich hatte mich der bereits geplanten Reise ja mehr oder weniger nur angeschlossen. Darüber hinaus wollte ich einfach nicht immer diejenige sein, die nörgelt (und mit dieser Entschuldigung fangen die meisten Probleme an, ich weiß). Genug der Rechtfertigung: Die auf die Rückbank verbannten Mädels haben einfach mal kollektiv den Mund gehalten, den ein oder anderen Blick ausgetauscht, und ansonsten keine Anstalten unternommen, eine Nachtfahrt zu verhindern.
Der Sonnenuntergang kam, und wir hielten noch einmal am Straßenrand, um dieses Naturschaupiel zu erleben. Boris, Dinka und ich trugen unsere großartigen Busch-Cowboy Hüte und wir besahen Arm in Arm, wie die Wet dunkelrot wurde und zu glühen begann - als ein Auto vorbeifuhr, bremste, und wenden wollte. Der arme Mensch dachte vermutlich, wir hätten eine Panne. Wenn man so mitten im Outback am Straßenrand parkt. Dummerweise hatte ich meinen Begleitern am Lagerfeuer die Geschichte des Verschwindens von Peter Falconio erzählt - der mit seiner Freundin von einem vermeintlichen Helfer am Straßenrand gestoppt wurde, welcher behauptete, dass etwas mit dem Wagen nicht stimme. Sobald der junge Mann das Auto verlassen hatte, wurde er erschossen. Seine Freundin entkam mit Mühe und Not, die Leiche Peter Falconios ist bis heute nicht gefunden. Nun hatte diese Geschichte offensichtlich Wirkung auf meine Begleiter, denn plötzlich rannten alle panisch los, nur weil dieser Mensch im Auto halten wollte. Irgendwer rief: "Shit, he's stopping, let's go!" Ich antwortete perplex: "Seriously?", worauf alle hektisch bejahten, ich verwirrt ins Auto sprang, meine Tasche auf dem Heck stehen ließ, die gerade noch von Dinka gerettet wurde, und Boris trat auf das Gaspedal, während die Türen noch offen waren - so verschwanden wir mit einer Staubwolke. Unser vermeintlicher Shotgun-Killer wendete erneut und fuhr seiner Wege, vermutlich nicht ohne sich sehr zu wundern. Oder uns für Kriminelle zu halten. Oder Wahnsinnige. Wie dem auch sei - die rasante Flucht mag sich auf Boris Fahrverhalten ausgewirkt haben.
Ich selbst war mit meinen Gedanken längst bei den Sternen und dem dritten Busch links hintem im Outback, als ich plötzlich das unheilsverkündende Geräusch scharf eingezogenen Atems hörte, ein "OH Shit" (oder etwas in der Richtung) von Olaf, dicht gefolgt von dem Quietschen unserer Reifen, als Boris eine mustergültige Vollbremsung hinlegte. Vor der Windschutzscheibe ein Schatten, dann ein Aufschlag, ein Rumpeln, das Auto stand, aus den Lautsprechern kam 'Hot Stuff' in der Version von The Bosshoss, um uns eine undurchdringliche Wolke aus Gummidämpfen, und ansonsten ein Moment absoluten Schweigens, bis das erste 'Fuck!' von Boris uns alle wieder ins Leben rief.
Mit sage uns schreibe 150km/h, wie Boris später eingestand (was an sich schon Wahnsinn auf einem unbegrenzten Highway ist) hatten wir ein Känguruh überfahren. Der erste Wildunfall meines Lebens. Auf der Straße hatten anscheinend zwei Känguruhs gesessen, von denen Boris nur das erste gesehen hatte. Dieses erste war links in den Busch geflohen, das zweite war dummerweise hinterher und damit genau in unser Auto gesprungen. Boris fuhr den Wagen an den Straßenrand. Währenddessen rüstete ich mich mit Papas kleinem Jagdmesser, dass mich auf jeder Reise begleitet, eingedenk der Predigten, dass ein Tier nie mehr leiden darf als unvermeidlich. So stieß ich Stoßgebete aus, dass das Känguruh schon tot sein möge und ich nicht noch überlegen müsste, wie das Tier mit dem kleinem Messer am schnellsten zu töten sei.
Tot war die bemitleidenswerte Kreatur. Mehr als tot. Wirklich schlimm war der Moment, in dem wir bemerken mussten, dass wir nicht nur ein Känguruh getötet hatten; etwas weiter vorn auf der Straße lag das kleine Joey, dass durch die Wucht des Aufpralls aus dem Beutel seiner Mutter geschleudert worden sein musste und nun ebenfalls tot war. Das erste Baby-Känguruh, dass ich je gesehen habe. Ein wirklich tragischer Moment.
Dieser Moment hielt jedoch nicht lang. Natürlich mussten die Kadaver von der Straße gezogen werden. Just als Olaf heldenhaft diese unschöne Aufgabe übernehmen wollte, kam ein anderes Auto angerast, ohne auf unsere Lichtzeichen zu reagieren. (Wahrscheinlich Touristen, die von der Peter Falconio-Geschichte gehört hatten.) Ich steckte mir instinktiv die Finger in die Ohren, Dinka ging angewidert hinter unserem Auto auf Tauchgang, Boris kniff die Augen zu - es half alles nichts, das andere Auto raste durch unser totes Känguruh, und die Geräusche davon werde ich wohl nie vergessen.
Das nächste Problem war die Realisation der Lage. Da standen wir nun schon seit ca. 20 Minuten im Outback, und hatten ein einziges Auto gesehen, das zudem auf keinen Fall anhalten wollte. Wir hatten keinen Handyempfang, keine Zelte, Olaf zudem keinen Schalfsack, und keine Ahnung, ob das Auto noch fahrbar wäre.
Die Jungs starrten unter die Kühlhaube, als könnte das Auto vielleicht eine Selbstdignose abgeben, untersuchten die Reifen, forschten nach Lecks, Dellen und Ähnlichem. Nach einigen Fahrversuchen war bald klar, dass unser Auto nicht nur eine unhübsche Delle anbekommen hatte, sondern auch böse humpelte. Möglichkeit 1: Die Reifen hatten einen Schlag abbekommen. Möglichkeit 2: Die Achsen waren hinüber, oder die Spur verstellt.
Es half alles nichts, wir waren im Outback und konnten nicht einfach so die Nacht in der Kälte bei den Dingos verbringen, also stiegen wir ins Auto und fuhren bei gedrückter Stimmung mit vorsichtigen 40km/h nach Daly Waters. Unterwegs sahen wir am Straßenrand auch die ersten wilden Kühe - wenigstens hatten wir keine von denen erwischt.
Der Daly Waters Pub ist eine Attraktion. Von den Wänden hängen Kreditarten, Ausweise, Passbilder, BH's, Flip Flops, T-Shirts und allerlei andere Dinge, die Durchreisende hinterlassen haben. Drinnen laufen feinste Oldies und Country-Evergreens, es geht zünftig zu und man hat einen derben Humor. Wir nahmen uns zwei Zimmer und saßen stumm in all dem Trubel an einem Fass, bestellten Bier und Sandwiches, für Boris und mich dazu Whisky, während Dinka, unsere Kroatin, Wodka bevorzugte, und Olaf kurzzeitig verschwunden war. Das erste Lied, dass ich hörte, war übrigens genau jenes Lied, dass ich aus unbekannten Gründen den ganzen Tag schon gepfiffen und damit meine Mitreisenden maltretiert hatte. Der gesamte Pub grölte melancholisch und da hielt es auch mich nicht mehr auf dem Stuhl; so sang ich im Chor der Gestrandeten: Bye bye Miss American Pie/drove my Chevy to the levee, but the levee was dry/Them good old boys were drinking whiskey and rye/ Singing, this'll be the day that I die, this'll be the day that I die...
Am nächsten Morgen, nach wilden Spekualtionen wie lange wir denn nun in Daly Waters festsitzen würden, wurden die Jungs Russel vorgestellt. (Ja, es ist eine andere Welt da draußen. Die Mädchen trinken Kaffee, und die Jungs reden über das Wichtige und das Auto.)Einer der Barangestellten hatte mitbekommen, dass wir Probleme mit unserem Auto hatten. "So, did you call Russel?" Natrülich nicht, denn woher hätten wir Russel kennen sollen. Kurze Zeit später kam dann ein drahtiger älterer Mann durch die Tür, ein Outbackbewohner aus dem Bilderbuch. "So, you've had an exident. How's the 'Roo?" Dann nahm er die Jungs mit, sah sich das Auto an und erklärte (ich verlasse mich hier auf Augenzeugenberichte, ich war ja nicht da): "I've been a mechanic for over 30 years now and I tell you, it's the tyres!" Dann gab es Bier für alle (um ungefähr 12), die Jungs tauschten wild die Reifen und wechselten einen gegen das Reserverad, und kurze Zeit später konnten wir Daly Waters verlassen, mit den Versprechen an uns selbst nie wieder im Dunkeln zu fahren. Dinka und ich waren ein Bißchen traurig...wir hatten uns gerade an den Gedanken gewöhnt, Outback-Queens ins zerissenen Jeans zu werden, Bier zu servieren, gegrilltes Beef am Abend zu essen und den Tag in der Sonne mit Faulheit zu vergeuden, während wir den 'Touristen' zusahen, die aus ihren Bussen hüpften, Sachen an die Wände pinnten, ein kleines Bierchen tranken und dann wieder verschwunden waren.
Im nächsten Ort (alles was mehr hat als einen Pub und eine Tankstelle) erstanden wir schließlich neue Reifen, und so war das Drama beendet. Der Reifenhändler war sehr begeistert - einen derartig abgebremsten Riefen wie den unseren hatte er auch noch nicht gesehen. (Siehe Foto - Respekt an Boris.)
Und um nun noch ein versöhnliches Ende für die Geschichte zu finden: Am Ende meiner eigenen Tour zum Uluru hatte ich noch einen Tag Aufenthalt in Alice Springs. Ich bin katholisch und mit den Prinzip von Buße und Vergebung vertraut. Nachdem mich also seit Tagen ein kleines und ein großes Känuruh im Traum verfolgt hatten, habe ich die Baby Joey Rescue Station besucht. Hier werden die kleinen Känguruhs abgeliefert welche die Unfälle, bei denen ihre Mütter sterben, überleben und aufgezogen werden müssen. Ich habe ein Joey gehalten, getragen, mich informiert, und mein Gewissen gereinigt. Noch nie habe ich so freudig den Eintritt (5 Dollar Unterstützungsgebühr) bezahlt. Ich sagte ja, ich bin katholisch.
 
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Mittwoch, 11. Juli 2007

Nature- and Star-strucked

 
Ich habe eine Abneigung gegen Gruppenreisen. Immer schon gehabt, und vermutlich werde ich sie auch immer haben. Trotzdem hatte ich mich überreden lassen, eine drei Tagesreise mit 'Adventure Tours' zu buchen. Besagter Trip sollte in Darwin beginnen, wo Olaf und ich uns mit Dinka und Boris trafen, um zu aller erst unsere eigene Kleingruppe zu formieren. Quasi als Abwehrschild gegen eventuelle andere Gruppen innerhalb der Reisegruppe. (Man beginnt zu begreifen, warum ich Gruppenreisen nicht mag. Abgesehen davon, dass man sich mit völlig fremden Menschen gut verstehen muss, komme was da wolle.) Der erste Tag in Darwin wurde folglich genutzt, unsere eigene Kleinzelle einzuschwören, was sofort im ersten Pub unternommen wurde, in dem Boris die größte kommerziell erwerbliche Bierflasche entdeckt hatte, Fassungsvolumen 2 Liter. Da war die männliche Freude groß. Am nächsten Morgen wurden wir dann gegen 6 Uhr aus unseren Hostels abgeholt, die Neugierde auf die anderen Teilnehmer war groß, ich hatte mich mit einem doppelten Kaffee und einem warmen Lächeln ausgerüstet und war bereit für die Menschheit - wie sich dann herausstellte völlig unnötig. Ein Vorteil von Adventure Tours sind die Kleingruppen; unsere Gruppe war sogar so klein, dass sie außer uns vier und dem Guide niemanden mehr umfasste. Aus irgendeinem Grund wollte niemand mit uns auf die 'Unleashed'-Tour gehen - als ich später mit Atemnot die Klippen im Kakadu National Park erklommen habe konnte ich mir kurzfristig auch vorstellen warum. Aber nur kurzfristig. Den ersten Tag unserer Tour hatten wir gänzlich den Krokodilen gewidmet, wir haben Orte gesehen, an denen nicht nur Crocodile Dundee, nein!, sondern auch der Crocodile Hunter Steve Irwin höchst persönlich schon vor uns gewesen war. Am zweiten Tag hatten wir dann kein bequemes Boot mehr, sondern mussten die Jim Jim Falls hochklettern. Ich war, da im Prospekt von 'hiken' die Rede war, für mich 'wandern', völlig falsch ausgerüstet mit einer Umhängetasche, die mich an mehreren Felsspalten fast das Leben gekostet hätte, und Sneakers, deren Profil quasi nicht vorhanden war und in denen ich (das lag natürlich NUR an den Schuhen!)ein Dutzend Mal umgeknickt bin. Abgesehen davon war es aber jeden Schweißtropfen wert. Am Ende eines langen Weges waren wir plötzlich oben angekommen - vor uns lag ein grünblau funkelnder See, umgeben von meterhohen Felswänden, aus denen ein kristallener Wasserfall stürzte, flache Steinformationen luden zum Sonnenbaden ein, und hinter uns stürzten tosend die eigentlichen Jim Jim Falls in den Abgrund. Unter uns das Becken des Wasserfalls, Wälder und Weite, um uns kaum andere Menschen, das Wasser war kühl und sauber, und innerhalb von Minuten war jede Erschöpfung vergessen. Wir waren in einem kleinen, versteckten Paradies angelangt, ein Ort, den man auf Fotos nicht festhalten kann. Die Jim Jim Falls waren erst vor wenigen Tagen wieder geöffnet worden (sie sind während der Regenzeit zu gefährlich für Besucher), folglich floß das Wasser noch reichlich und der Ort war noch nahezu unberührt von den Menschen, die ihn finden und besuchen. Nachdem wir einige Stunden an diesem Steinpool verbracht hatten (Ich musste mich zwischenzeitlich wie eine Schlange zwischen den Steinen zusammenrollen, um etwas Schatten zu bekommen - man hat es als Original-Rothaarige nicht leicht), mussten wir uns an den quälenden Abstieg machen, denn wir wollten vor Sonnenuntergang auch noch zum eigentlichen Becken der Falls wandern. Im Tal angekommen war mein Gesicht wieder quietschrot, meine sämtlichen Gedanken waren auf's Atmen gebündelt und darauf, möglichst nicht noch über die Steinbrocken, zwischen denen wir hin und her kraxeln mussten, zu stürzen. Folglich habe ich den zwei Touristen, die uns entgegenkamen, auch nicht mehr Aufmerksamkeit geschenkt als nötig war um zu bemerken, dass der erste Mann sehr groß war und kein T-Shirt anhatte. Man grüßte sich beiläufig und passierte sich - bis Boris plötzlich in völliger Aufregung von hinten seine Entrüstung kundgeben musste: "Und ihr wisst natürlich nicht, wer das ist!" Besagter Mann ohne T-Shirt rief darauf mit dunkler Stimme: "Wer denn!" Mitten im Nirgendwo waren wir Dirk Nowitzki über den Weg gelaufen, dem (wie ich mir erklären lassen musste), einzigem europäischen Spieler, der jemals den 'NBA Most Valuable Player Award' bekommen hat. Was noch interessanter war, war die Tatsache, dass Boris ihn bereits in Sydney zufällig getroffen hatte, worüber beide dann kurz ins Gespräch gerieten, um sich dann über die Reise zu unterhalten. Als Paul, unser Guide, uns dann antreiben wollte, da die Dämmerung immer näher rückte, fragte Dirk Nowitzki uns Bande unvermögender Studenten: "Wie - ihr habt euch hier einen eigenen Guide genommen?"
Es stellte sich schließlich heraus, dass Herr Nowitzki und seine Begleitung (ich würde tippen es war sein Vater) auf dem falschen Weg unterwegs waren - nämlich auf dem, den wir gerade herabgestiegen waren. Unser Guide hat dann erklärt, dass man diesen Weg ohne Wasser nicht besteigen sollte und schon überhaupt nicht am Nachmittag, weil man es dann nicht mehr vor der Dunkelheit hinunter schaffen könnte. Folglich waren wir dann alle zusammen auf dem gleichen Weg unterwegs zum unteren Pool. (Man könnte sich fragen, was passiert wäre, wenn die beiden uns nicht getroffen hätten. Die NBA kann uns dankbar sein.) Der Weg ist steinig, was in diesem Falle bedeutet, dass die Steine rund und hoch und eigentlich Felsbrocken sind, die wild herumliegen und die Sicht nach allen Seiten versperren. Paul war anscheinend irgendwann ungedulig geworden und wollte schwimmen, jedenfalls war er plötzlich verschwunden. Dinka hatte es zunächst noch geschafft, ihm auf den Fersen zu bleiben - wir riefen nach beiden, bekamen aber keine Antwort. Irgendwann redete Dirk Nowitzki mit jemandem. 'Have you seen a guide?' .... 'Oh, so you're lost as well!' Und noch während ich mich wunderte, mit wem er sprechen könnte, kam Dinka zwischen den Felsen hervorgeklettert. Es ist einfach wirklich von Vorteil, wenn man so groß ist. Man behält den Überblick.
Den Weg haben wir schließlich allein gefunden. Unser Guide lag schon am Strand des Sees, und auf unsere Klagen hin, dass er uns weggelaufen sei, bemerkte er verwundert, dass es doch gar kein Problem gegeben habe, schließlich sei da ja nur ein Weg. Den muss man aber erstmal finden.
Nach dem ersten Bad waren wir aber schon wieder glücklich. Auch hier klares, kühles Wasser, dazu die Wasserfälle, und tatsächlich waren wir die einzigen Besucher. Abgesehen von Dirk Nowitzki und seinem Vater natürlich. In all unseren Fotos von diesem See kann man nun im Hintergrund eine kleine Figur sehen, die rumläuft oder auf einem Stein sitzt. Wer es weiß kann dort den 'Most Valuable Player' der NBA erkennen. Wem man nicht alles begegnet.
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Dienstag, 10. Juli 2007

Big City Life - Willkommen Zuhause

 
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Was man nicht alles erleben kann in Australien. Zeitreisen, beispielsweise. Oder sagen wir - etwas, das sich anfühlt wie zeitreisen. Man kennt das aus unzähligen Mittelklasse Hollywood-Filmen und -Serien - jemand reist mit einem hochtechnologischen Vehikel in die Zukunft, wo alles verstörend und anders ist, Welten voller Technologie, Geschwindigkeit und Menschen, die merkwürdige Dinge tun.
Nach Tagen in einer Welt, in der die Menschen Cowboyhüte tragen, in roten Staub gehüllt sind und eine fremdartige Sprache nuscheln, Behausungen in weiter Ferne voneinander liegen und Känguruhs und Dingos sich noch gute Nacht sagen, habe ich ein Flugzeug in Alice Springs bestiegen, einige Studnen in der Zwischenwelt des Himmels verbracht und bin schließlich wieder im futuristsichen Sydney gelandet. Das Flugzeug rollt auf den Hangar zu, man schreitet den Tunnel entlang, und plötzlich sind überall Menschen. Ellbogenkämpfe bei der Gepäckausgabe, ein kurzer Triumpf (das Kind hab ich gnadenlos umgerannt), dann die Suche nach dem Ausweg, und kaum dass man die Glasschiebetüren durchschritten hat, steht man plötzlich in winterlicher Kälte, im Sturm, in der Dämmerung, und kann keinen Shuttlebus finden. Folglich stellte ich mich in der (zum Glück kurzen) Schlange für Taxis an, warf mein Gepäck in einen Kofferraum und setzte mich neben einen schlecht gelaunten arabischen Taxifahrer, der alle fünf Minuten geseufzte (ich habe mich unterstanden, nach den Gründen zu fragen), im Radio lief eine Sendung über Männerkosmetik, auf den Straßen war Rushhour. 30 Minuten später und um 25$ leichter war ich endlich zuhause, das Gepäck schnell ins Zimmer gebracht und wieder raus auf die Straße, denn der Mensch muss essen und mein Kühlschrank war leer.
In meinem Standart-Deli tanzte der Mann, der mir immer mein Brot verkauft (und stark übergewichtig ist), mit einer Spiderman-Maske hinter der Theke hin und her, bis er mich bemerkte. Dann rupfte er sich die Maske vom Kopf, gab mir die Hand und stellte sich als Peter Parker vor.
Die Verwnderung ging in den nächsten Tagen weiter. Isabel hatte mich zu einer weiteren Erkundungstour durch unsere temporäre Heimat eingeladen, und so brachen wir zu einer Wanderung entlang der Watsons Bay auf. Die zu besichtigenden Heads (Felsen) waren zu Zeiten ohne Flughäfen ein Wahrzeichen Sydneys, das erste Zeichen für die armen Menschen auf den Schiffen, dass sie nach Monaten auf See endlich angekommen waren. Historisches Terrain also.
Heute führt die Rundwanderung zunächst einmal am Nudistenstrand vorbei, wo wir auf ein Gruppe kichernder Asiaten stießen, die Fotos von den nackten älteren Herren machten, von denen einer allerdings eine Windjacke trug und angelte, unten herum jedoch völlig frei war und folglich quasi beide Ruten fröhlich in den Wind hielt.
Entlang des Wanderwegs steht schließlich auch eine historsiche Kanone (die interessanterweise auf die Stadt gerichtet ist). Vor dieser malerischen Kulisse wollten Isabel und ich ein Foto von uns beiden machen, was sich als nicht ganz so einfach herausstellte. Nachdem ich Ewigkeiten gebraucht hatte, um meine Kamera richtig zu positionieren und den Zoom zu justieren, hatte ich es endlich geschafft den Selbstauslöserknopf zu drücken und musste nun nur noch zu der Kanone und Isabel hinunterklettern. Für einen Moment schaute ich auf meine Füße, da ich ja dazu neige zu stürzen wenn ich klettere, und als ich wieder aufsah stand plötzlich genau vor meinem Gesicht ein nur halb bekleideter, erstaunlich großer Transvestit mit wirrem schwarzen Haar, der auf mein verwirrtes 'oh, hello!' etwas nuschelte, sich dann an mir vorbeischob und damit genau in das Selbstauslöserbild hinein, um schließlich die Kanone zu bestiegen und eine Weile darauf zu reiten. (Siehe Foto)
Kein Zweifel, ich lebe in einer Großstadt.
Urlaubsberichte folgen. Sagen wir - ich brauchte etwas Zeit, um mich wieder einzugewöhnen.

Montag, 18. Juni 2007

Ich packe in meinen Koffer....

 
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...eine Mütze für Melbourne, die obligatorischen Flip Flops für den Strand (und um mich sowohl den Backpackern als auch den Strandaussies anpassen zu können), eine Zeitschrift zum Insektentotschlagen im Dschungel, eine Sonnenbrille für die Lässigkeit am Steuer (sowie eine CD mit Johnny Cash und Bosshoss Highwayliedern aus selbigem Grund), ein Messer und einen Knüppel für die Durchquerung der Wüste im verrückten Northern Territory.
Seit Tagen schieben sich graue Wolken hinterhältig vor jedes bisschen Himmelsblau, wenn es nicht regnet stürmt es, die meiste Zeit aber stürmt und regnet es, kurzum: Zeit zu gehen. Am Freitag haben meine Ferien offiziell in dem Moment begonnen, in dem ich mein letztes essay mit einem gekonnten Wurf aus dem Handgelenk in dem Briefkasten des SOFI-office versenkt habe. Am Samstag habe ich in einem Triumphmarsch die letzten Bücher in die Bibliothek geschleppt, und nun kann man auf meiner Stirn (versteckt unter dem neuen Pony) anstelle von Grübelfalten ein einziges Wort lesen: Freiheit.
Das Semester ist vorbei, Aufbruchsstimmung überall, der Großteil der mir bekannten Austauschstudenten begibt sich auf Umwegen über den Kontinent wieder zurück in Richtung Heimat. Der offizielle Schlußstrich wurde am vergangenen Samstag mit einem Abschiedsdinner gezogen, 25 fröhliche Ausländer fielen über einen Nobelthailänder in Newtown her, nach 9 Gängen war sogar meine Wenigkeit, allseits bekannt als begeisterte Esserin, gesättigt und kugelrund,und nun muss ich zugeben: auch wenn ich mich oftmals aus den Aktivitäten der Deutsch-Skandinavischen Studentenfront zurückgezogen habe (um statt dessen Australier zu jagen), war es doch eine nette Truppe, sehr gemischt (wer hätte gedacht dass die CDU-wählende Jugend tatsächlich so unterhaltsam sein kann!), und zurück bleibt eine vorläufige Mischung aus Melancholie, Sentimentalität und verfrühter Nostalgie.
Diese Gefühle gilt es nun aber ersteinmal in der Schreibtischschublade einzulagern, denn ich gehe auf Reisen. Endlich. Es hatte schon Zweifel gegeben, ob ich jemals einen Zeh über die Grenzen von NSW setzen würde, und deshalb nun: 16 Tage Australien intensiv. Ich persönlich hätte mir vielleicht etwas mehr Zeit mit allem gelassen und wäre statt dessen länger gereist, aber da meine Pläne einen fahrbaren Untersatz vorausgesetzt hätten, habe ich kleine Nutznießerin mich einfach den Plänen von Olaf und, für den zweiten Teil der Reise, zudem noch Dinka und Boris angeschlossen.
Heute abend fliege ich nach Melbourne, treffe Olaf, wir werden das Casino unsicher machen und, festeingeplant, die Reisekosten wieder einnehmen, übermorgen geht es weiter mit dem Auto nach Adelaide, also über die Landesgrenze entlang der Great Ocean Road nach South Australia. Von Adelaide aus fliegen wir (sinnigerweise in getrennten Fliegern da ich ja alles nachgebucht habe, da heisst es also einander abpassen) nach Darwin, also ganz ans Ende des Northern Territories, wo wir nach einem Tag auf Dinka und Boris treffen, mit denen gemeinsam wir eine dreitägige Safari in den Kakadu National Park unternehmen. Bushcamping ohne Zelte inklusive, und am ersten Tag hat mir der Katalog von 'Adventure Tours' entlang des Mary Rivers Kontakt mit Salzwasserkrokodilen versprochen,die in diesem Fluss mit der höchsten Populationsdichte in der südlichen Hemisphäre vorkommen. Von Darwin aus fahren wir vier mit dem Mietwagen vier Tage lang nach Alice Springs. Schlau wie ich bin, habe ich Doppelabsprachen getroffen. Mit Dinka habe ich mich darauf geeingt, sowohl die musikalische als auch die sonstige Kontrolle über die Jungs während der Fahrt zu übernehmen, und mit Boris habe ich beschlossen, dass für den Fall, dass wir in der Wüste liegenbleiben, Olaf als erster losgeschickt wird um Hilfe zu suchen.
In Alice Springs trennt sich dann mein Weg von dem der anderen, denn ich habe mich strikt geweigert eine Gruppentour nach Uluru (Ayers Rock) zu machen. Meiner Meinung nach vertragen sich Spiritualität und 25 Leute nicht sonderlich. Überhaupt wollte ich ja gern ein wenig allein reisen, ich bin also ins STA Reisebüro gestapft und habe mir ein Auto gemietet, ein kleines, nur für mich. Als ich erwähnte dass ich nach Uluru fahren wolle und zwar allein, durfte ich mir wieder einmal meinen Lieblingsspruch anhören: "I wouldn't recommend it, especially not for a woman." Es tut mir leid, ich kann nichts dafür dass ich eine Frau bin, überhaupt halte ich das persönlich eher für einen Vorteil, denn sollte ich tatsächlich liegenbleiben glaube ich, dass andere Autofahrer noch eher für ein 'Mädchen' am Strassenrand anhalten. Wie dem auch sei, ich würde ja auch ganz gern mit einem/r guten Freund/in die Strecke fahren, es war aber zu dem Zeitpunkt zufällig grad keiner von denen in Alice Springs. Was soll man also machen? Ich hab das Auto trotzdem gebucht.
Meine selbstbewusste Haltung kam nur etwas ins Wanken, als meine australische Freundin Trudy mit letzten Donnerstag ein Schnellbriefing gegeben hat. Genug Wasser und Essen mitnehmen, Leuten sagen wo man hinfährt, nie das Auto verlassen, keine Abkürzungen suchen - "and Julia, remember: people die in the out-back." Dann habe ich kurz mal an mein Glück mit Autos gedacht...vorsichtshalber habe ich Isabel angewiesen, ein Rescueteam loszuschicken wenn ich mich am Abend des 3. Juli noch nicht gemeldet habe. Eigentlich dürfte aber nichts passieren, immerhin ist der Weg nach Uluru eine Hauptstraße, und solange ich nicht auf die glorreiche Idee komme einen Abstecher ins Umland zu machen (was ich nicht vorhabe), sollte alles glatt gehen. Bloß die Berichte über die Backpacker Murders (allerdings vor 10 Jahren und in NSW) und das Verschwinden von Peter Falconio im Outback (wen's interessiert, auf der englischen Version von Wikipedia gibt es einen Schauerbericht) haben mich etwas beunruhigt. ABER ich wollte ja Abenteuer und Individualreisen.
Also los geht's.

(P.S.: Berichte folglich erst wieder ab dem 4. Juli - dann aber mit etwas spannenderen Fotos, hoffe ich.)

Mittwoch, 13. Juni 2007

Karma is try'n to kill me

 
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Hat sich der ein oder andere vielleicht gefragt, warum ich mich seit beinahe zwei Wochen auf meinem blog in Schweigen gehüllt, keine mails mehr geschrieben und auch keine Anrufe mehr getätigt habe?
Der Grund dafür ist, dass ich bis vor wenigen Tagen mit einer Gewitterwolke gigantischen Ausmaßes über meinem Kopf durch Sydney gestapft bin. (Für diejenigen, die von den Überschwemungen in NSW gehört haben - denkt mal drüber nach!)
Manchmal passieren einem Dinge im Leben - nein, so stimmt das nicht - machmal passieren MIR Dinge im Leben, die nicht nur schier unglaublich dämlich und unglücklich sind, sondern über die man auch erstmal nicht sprechen möchte, weil man sich nicht sicher ist, ob man mit dem mitleidigen Lächeln und den Kommentaren der Umwelt umgehen kann.
Andererseits hab ich mir gedacht - diese Welt ist schon trist genug, warum soll ich euch nicht etwas zum Lachen geben, also bitte, hier ist es, mein Leben!
Folgendes ist geschehen und in die Juliaschen Chroniken aufgenommen worden.
Nach dem Drama um meinen Van hatte ich lange nach einem neuen Vehikel für meine Reisepläne gesucht. Ich hatte mich für einen Ford Falcon entschieden, einen großen Kombi, dessen Rücksitze man umklappen kann, in dem man also auch schlafen kann. Gut, nun waren mir in den letzten Wochen mehrere gute Angebote vor der Nase weggeschnappt worden, weil ich gebranntes Kind immer zunächst einen Mechaniker aufsuchen wollte (was hier wohl nicht ganz so üblich ist - und beim Van ja auch nicht geholfen hat). Schließlich aber: mein Angebot. Ein 1994er Ford Falcon mit vernünftigem Kilometerstand, burgunderrot, der Vorbesitzer (ich wollte ja NIE mehr von Backpackern kaufen) war ein freundlicher alter Mann (73), der erklärte, er habe das Auto für seine Arbeit auf dem Bau benutzt, als Transportvehikel quasi, nun sei der Bau abgeschlossen und er wolle in Rente gehen, das Auto würde quasi nicht mehr benötigt. Die Geschichte klang, angesichts der Massen an Schmutz im Auto, plausibel, der Wagen war günstig. Ich war extra nach Waitara gefahren, um mich mit dem Besitzer zu treffen, also mal wieder auf völlig fremden Terrain und ohne Ahnung. Auf meine zaghafte Frage hin wo denn der nächste Mechaniker wäre, wurde mir gesagt, der habe geschlossen, weil Wochenende. Ich kann nichts dafür, ich bin gut erzogen, ich vertraue alten Männern und habe Respekt vor grauem Haar. Nach langer Probefahrt habe ich, wie ich dachte, einen wirklich guten Preis für das Auto heraushandeln können, ich war mir bewusst, dass einiges gemacht werden müsste, aber das war bei dem Einkaufspreis im Budget inbegriffen. Kurze Freude, imaginärer Wind im Haar und Highwayluft in der Nase.
Da ja nun bald die Ferien offiziell beginnen, habe ich meinen Ford gleich am nächsten Montag zum Mechaniker kutschiert, zur Grundkontrolle und um erste Mängel beheben zu lassen. Alles schön und gut, Dienstag der fatale Anruf: Bei genauerer Betrachtung des Motors waren jede Menge Mängel aufgefallen, Löcher in Ölleitungen (wobei ich niemals gesehen habe, dass Öl auf die Straße getropft wäre, und der Wagen fuhr einwandfrei), die Servolenkung hatte vermutlich einen Defekt, der Airbag auch, die Bremsen, von denen ich dachte, dass nur die Belege mal gewechselt werden müssten, waren schwierig, weil da allem Anschein nach ein Hobbyhandwerker rumgepfuscht hatte...und so weiter und so fort. Der alte Mann hat mich von hinten bis vorne über den Tisch gezogen (regelmäßige Inspektion für die Rego-Erneurung zum Beipsiel...), vor allen Dingen, wie ich zugeben muss, weil ich nicht genügend informiert war. Den guten deutschen TÜV gibt es hier beispielsweise nun einmal nicht, dafür gibt es den 'pink-slip', die Zulassung, für die eine Inspektion nötig ist. Ich dachte, ein pink-slip gelte für ein ganzes Jahr, aber da ist ein feiner Unterschied: der pink-slip ist gültig für 42 Tage, danach darf man den Wagen bloß legal für das ganze Jahr fahren. Wäre der slip noch gültig gewesen, hätte ich den Mann anzeigen können, denn alle Teile, die kaputt waren, waren auf dem slip noch als angeblich völlig in Ordnung vermerkt, das Auto war seit dieser Untersuchung nur 10.000 km gefahren und ich dachte, damit wäre ich irgendwie auf der sicheren Seite.
Immerhin fuhr das Auto aber. Mein Mechaniker gab mir den Tipp, das Reparaturgeld zu sparen und das Auto auf einer der australischen car-auctions zu versteigern. Für mich eh die einzige Möglichkeit - ich hätte das Auto niemals privat verkaufen können, einfach weil ich für derartige Geschichten zu ehrlich bin. "Und, in welchem Zustand ist das Auto so?" "Ähm - also...Schrott?" Keine gute Verhandlungsstratgie. Da ich 'nur' einige hundert Euro für das Auto bezahlt hatte, entschied ich mich für folgenden Kompromiss. Entweder, ich würde auf der Auktion einen von mir festgesetzten Mindestpreis wiedererzielen und meinen Verlust somit gering halten, oder aber ich würde tatsächlich etwas mehr inverstieren und zumindest die gröbsten Mängel schon mal beheben lassen, was mein Mechaniker nicht empfohlen hatte. (Nicht für ein halbes Jahr, ich sollte es lieber loswerden und ein neues suchen. Haha.)Zumindest hätte ich dann ein Auto gehabt. Aber. Jetzt. Der Teil der so absurd ist, dass er wirklich nur mir passieren konnte.
Sonntag, wie sich das an Sonntagen gehört, wollte ich mein Auto waschen. Ich wollte es für die Auktion hübsch machen. Wer mich kennt weiß, dass ich eine ziemlich eifrige Putzerin bin. Ich hing also halb im und halb aus dem Auto auf der Beifahrerseite, den Schwamm in der Hand, den Wassereimer auf dem Bordstein, und war wild damit beschfäftig, auch noch die letzten Flecken von den Amaturen zu schrubben, auch von der Mittelkonsole. Und während ich mich also mit ganzem Elan der Reinlichkeit widme und gerade denke, dass ich doch eigentlich trotz allem ein schickes Auto gekauft habe und ich es vielleicht wirklich auf Vordermann bringen könnte, muss ich an den Schaltknüppel gekommen sein. Der Knüppel bewegte sich, stand plötzlich zwischen P wie Parken und einem anderen Gang - was ja eigentlich, der Motor war aus, die Handbremse gezogen - kein Problem hätte sein dürfen, bloß dass ich in diesem Moment lernen musste, was mein Mechaniker eigentlich genau meinte wenn er sagte der Wagen wäre unsicher. Plötzlich, und nicht unbedingt langsam, find mein stattlich schwerer Ford an, die minimale Steigung unserer Straße herunter zu rollen. Wie gesagt, meine Beine außerhalb des Wagen, der Rest von mir im Fahrerraum, bäuchlings auf dem Beifahrersitz. Die Handbremese hatte mich schmählich im Stich gelassen, einzig ein leichtes Quietschen zeigte letzte Bemühungen an, das Auto vielleicht doch zu halten. Ich hatte den Gang sofort wieder eingelegt, es half alles nichts. Mein erster panischer Gedanke: Hoffentlich parkt kein fremder Wagen hinter mir. Mein zweiter: ich muss irgendwie auf den Fahrersitz und das Auto stoppen. Woran ich nicht gedacht hatte: das umfriedete Bäumchen auf dem Bürgersteig.
Die offene Tür, immerhin waren meine Beine mittlerweile im Auto, blieb an besagtem Bäumchen hängen, es gab ein hässliches Geräusch, das Auto aber blieb immerhin stehen. Ich stieg aus, setzte den Wagen sofort nach vorne und wollte dann die Beifahrertür schließen, was natürlich nicht ging, die Tür hatte sich überdehnt, es hatte eine fiese Beule gegeben. Meine erste Reaktion: ich habe das Putzwasser ausgegossen, bin ins Haus gegangen, habe mir einen Stadtplan und die Gelben Seiten (die hier übrigens 2 Bände mit insgesamt 3014 Seiten umfassen)geholt, und einen Schrottplatz in der Nähe gesucht. Dann habe ich dort angerufen, verhandelt, und innerhalb von 45 Minuten war mein Auto weg, übrig blieben nur noch die Nummernschilder und ein bisschen Geld für die Überreste. Ich hätte allerdings wenigstens nochmal dagegen treten sollen. Oder etwas in der Art.
Danach habe ich einen Lachkrampf bekommen, erstmal, weil ich es einfach zu unglaublich fand. Deirdre kam grade nach Hause, fragte mich was los sei, weil ich so kichern musste, und als ich ihr die Gesichte erzählt habe meinte sie 1. dass es gut sei, dass mir nichts passiert wäre (daran hatte ich noch nicht gedacht, aber ich wäre nicht die erste, die von ihrem eigenen Aut überrollt wird - welcher Promi hat das doch gleich im Parkhaus geschafft?)und 2. dass irgendeine Kraft ganz offensichtlich nicht wolle, dass ich in Australien Auto fahre und ich das besser akzeptieren solle, wer könne wissen was sonst noch passiert.
Man muss dazu sagen: mein Glück in der letzten Zeit beschränkt sich ja nicht nur auf Autos. Um mich rum geht alles in die Brüche. Neulich, beim Lernen, ist der Stuhl unter mir weggesackt. Ich dachte zunächst, dass ein Stuhlbein abgeknickt sein müsse, aber nein, ich war durch den Holzfußboden gebrochen. Vom bloßen Sitzen. Ich kenne niemandem, dem das schon passiert wäre (und so viel wiege ich ja nun auch nicht).
Und dann bin ich neulich, als ich nachts an der Townhall Station auf einen Bus wartete, mit einem rohen Ei beworfen worden. Um mich rum jede Menge anderer Nachtschwärmer, und die einzige, die ein Ei abbekommt, bin ich. Niemand hat gesehen wo es her kam, und ich stand genau vor der Polizeistation.
Olaf, dem ich all das erzählt habe, hatte dazu folgenden Kommentar: "Wie war das? Du fliegst doch mit einer anderen Maschine nach Melborune als ich, oder?" Ja, da hat er Glück gehabt. Meine Grabrede: Es war...absehbar.

P.S. Ja, der Titel ist ein Zitat, falls mich wer des Plagiats bezichtigen will...Ich habe es aus 'My name is Earl'. Einzig - ich bin ein guter Mensch, wirklich!

Freitag, 1. Juni 2007

All Heaven and Hell Lie Between the Covers

 
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Nach langem Schweigen etwas für die Gedankengänge: Andrew O'Hagans Opening Adress für das Sydney Writer's Festival (Sydney Morning Herald; Thursday, May 31, 2007 - hier in Auszügen)
"Our power truly to imagine the world and the worlds inside us is what constitutes our moral sense.
It is not the unexamined life that is not worth living, but the unimagined one. We each have a zone of pure imagining to inhabit and it need not be a Xanadu or an Australia. It is a place where the life inside us and the world around us can make a bid for perfect harmony.
The everyday work of the imagination can make us see both the rarity and the responsability of being truly alive. And literature is the accompaniment to that sense: not something you do in your spare time, but the beat of time itself, and we will feel that pulse in every major area we turn to.
If we are truly alive, we have a duty to connect with the planet we inherited and that others will inherit in their turn. If we are truly alive, we have a role to play in the realisation of peace and tolerance in our time. If we are truly alive, and if we know what the imagination can do, it will not be in us to sit dormant while the planet is ruined by unfettered commerce or while thousands are killed by the pre-emptive and ruinous urges of Christian or Islamic fundamentalisms.
If we are civilised, we imagine our way past political coercion or selfish pride. We speak truth to power. We question our media. We spring to the defence of liberty. We take care of the worlds' resources. We listen to the past. We question our feelings of superiority. We teach our children the truth of our culture and what is has done and what it has failed to do. And we never forget that we are moral beings and not machines.
This is what we do if we are truly alive. This is what we do if we are close to our imaginations. And how do we do that, how do we keep company with our imaginations, what do we do to be so alive? It's easy, we read books.
(...) It is literature that carries human rights and wrongs better than anything. Literature may be entertaining and it may be diverting, but its role in a civilised world is neither for distraction nor diversion, but for engagement: every day is Sorry Day in the world of literature and every day is Humanity Day and Contemplation Day and Tolerance Day and Get Your Finger Out of Your Arse Day.
Literature is not Lifestyle, it is Life.
There is no nation but the imagination.
(...)

Wah Wah, Hollywood und Ich

 
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Ja, es ist vollbracht. Ich, höchst persönlich, habe dem Schicksal getrotzt und mit viel Geduld (nicht unbedingt eine der Eigenschaften, für die ich bekannt bin), der Hilfe eines Elektrikers und eines Telefonberaters den Internetanschluss in diesem Hause repariert. Was war passiert? Meine liebenswürdige, nichts desto trotz chaotische Mitbewohnerin Bella ist ausgezogen. Ihre Kisten allerdings nicht. Die stapelten sich im Wintergarten, in dem (wie könnte es anders sein) der Internetanschluss plaziert ist, irgendwie, der Ablauf ist noch ungeklärt, muss das Kabel sich in den Kisten verfangen haben und überspannt gewesen sein, lange Rede kurzer Sinn, die ganze Steckdose war aus der Wand gerissen. Schön auch, dass ich die Einzige war, die sich am Verlust des Drahts zur Welt so wirklich gestört hat. Nach einigen Versuchen den D-link Router sowie das Modem aus- und einzustöpseln und neu zu straten und den Router, den ich strak im verdacht hatte (ich hatte den billigsten gekauft, was sonst), neu zu installieren, kam ich auf den Gedanken, dass das Problem auch auf der anderen Seite eines hinter braunem Karton verschwindenden Kabels zu suchen sein könnte. Daraufhin habe ich eine Stunde damit verbracht den Wintergarten umzustapeln (zur hellen Begeisterung meiner Mitbewohnerin, siehe da, die Dinger müssen nicht im Weg stehen). Am nächsten Morgen Elektriker (Sorry, where are you from? Oh really! You don't sound German, I thought you were Irish. Höre ich öfter - aber ist das nicht eine Beleidigung? Ich dachte stets die Iren versteht nun wirklich niemand.)und der ganze Trubel, nicht dass das IRGENJEMANDEN außer mir interessieren würde, aber irgendwo muss man sich ja mal Luft machen, wenn mal wieder die Last der ganzen Welt auf den Schultern lastet und man sich fragt wo Batman eigentlich seinen Robin her hatte, und warum weibliche Superheldinnen keine Lehrlinge haben. Außer Xena, aber die zählt nicht, wirklich nicht.
Gut, ich habe mein Ego genug massiert.
Es gibt noch andere Dinge zu berichten, ja, die Welt hat ihre Augen auf Sydney gerichtet (nein, nicht wegen der katastrophalen Dürre. Nein, nicht weil Sophia Loren da ist, und nein, nicht weil John Howard tatsächlich Anstalten macht, ein globales Klimaproblem einzuräumen und nun die Elektrizität verteuern will, weil dann alle Probleme gelöst sind) - das 10. Sydney Writer's Festival hat begonnen!
Allerdings glaube ich im Stillen, dass die junge akademische Elite ausgeschlossen werden soll. Warum sonst wäre dieses großartige Spektakel in die letzte Woche des Semesters gelegt worden, in der alle braven Studenten mit Wunsch auf Zukunft (und die, die durch Stipendium und Visum auf ein bestimmtes Maß der Pflichterfüllung angewiesen sind, die Hoffnung auf einen Job hat man als Deutsche ja schon aufgegeben) mit krummgebeugten Rücken an ihren Schreibtischen hocken mit den Nasen in schimmeligen oder angemalten Buchseiten und der Sonne nur seufzend durch das Fenster bei ihrem Weg über den Horizont folgen können?
Die Eröffnungsrede habe ich beispielsweise verpasst, das ärgert mich jetzt seit Tagen. Im Grunde liegt das Problem wohl eher darin, dass ich zu spät mit der Planung dieser Woche angefangen habe. Aber, mit dem größten Respekt, wer kann schon erwarten, dass so gut wie ALLE Veranstaltungen eine Woche im Vorhinein ausverkauft sind? Auch wenn ich zugeben muss, dass es sich bei ALLEM um eine minderschwere Hyperbel handelt, fast alles, was ich sehen wollte, war ausgebucht. Beispielsweise die Schlussrede von Ayaan Hirsi Ali und die Aufzeichung des Tuesdays Bookclub der ABC, uuuund...egal. Immerhin habe ich mir zwei Karten sichern können. Für läppische 35$ habe ich mir am Donnerstag Richard E. Grat im Interview mit Jennifer Byrne im Opera House angesehen. Mein erster Besuch im Opera House, immerhin. Richard E. Grant, den meisten vermutliuch als Schauspieler (Withnail and I, Dracula...Hudson Hwak - yak)bekannt, ist unter die Schriftsteller (The Wah-Wah Diaries, By Design) und auch unter die Regisseure (The Wah-Wah Diaries) gegangen. In Swaziland aufgewachsen, mit einer turbulenten Lebensgeschichte, könnte man meinen, der Mann hätte eine Menge zu sagen und einen kosmopolitisch-kritischen Blick auf die Welt.
Ich fand mich also, nachdem ich mich (wie nicht anders zu erwarten) in den vielen Hallen des Opera House zunächst bei der falschen Veranstaltung eingereiht hatte, in der fast ausverkauften Concert Hall ein. Fast ausverkauft - das heißt, dass an die 2500 Menschen gekommen waren, um einen anderen Menschen reden zu hören und zu sehen.
Nachdem ich meinen 7$ Sekt hektisch genossen und mir im Vorbeihechten noch schnell die "Wah-Wah-Diaries" gekauft hatte, fand ich mich auf meinem Platz im Dress Circle wieder, ein guter Platz, wie ich zunächst dachte. Bis ich herausfinden musste, dass der Mann neben mir während des gesamten Programms seine Nägel mit den Zähnen bearbeitete, als würde auf der Bühne das Schicksal der Menschheit bestimmt. Warum, fragt man sich da, sitze ausgerechnet ich, die größte Geräuschneurotikerin der Neuzeit, IMMER neben Zeitgenossen, denen von ihren Eltern die Grundregeln eines adäquaten Verhaltens in der Öffentlichkeit (nicht schmatzen beim Essen, nicht reden im Kino, still sitzen, Finger aus dem Mund, leg das weg wir sind hier nicht zum Spielen...) nicht beigebracht wurden? Und als wenn das noch nicht genug gewesen wäre, durfte ich an diesem Abend feststellen, dass Prominenz nicht unbedingt mit dem aussprechen unbequemer Wahrheiten, dem Aufwerfen interessanter Fragen und der Refelxion gesellschaftlicher oder künstlerischer Probleme einhergeht. Nicht, dass man mich falsch versteht. Ich habe nichts gegen persönliche Anekdoten. Ich habe auch nichts dagegen, wenn die persönliche Bedeutung des eigenen Werks erläutert wird. Aber wenn diese Anekdoten und Erläuterungen zu großen Teilen schon in einem Interview erörtert wurden (mit dem Ehemann der Interviewerin im Opera House), das wenige Tage zuvor im Fernsehen ausgestrahlt wurde, und wenn über diese Anekdoten hinaus nichts Aufrüttelndes, Wahres, Tiefes gesprochen wird, dann fühle ich mich um mein Studentengeld gebracht. Natürlich ist es interessant zu erfahren, was auf der Premiere von...passiert ist, und als dann Julia Roberts...und überhaupt ist ja Hollywood...und meine Frau sagt immer...als nächstes schreibe ich...und im Moment drehe ich in Budapest.
Ein Buch und ein Film über das Ende der Kolonialgesellschaft in Swaziland, über eine gescheiterte Ehe, einen alkoholkranken Vater und einen traumatisierten Jugendlichen und kein Wort über gesellschaftliche Relevanz? Aktuelle politische Probleme? Alles nur eine Form der öffentlichen Psychohygiene? Nett gemacht, unterhaltsam, aber was ist aus ihnen geworden, den Männern und Frauen mit Idealen und Worten, die wie Waffen gebraucht wurden? Worten, vor denen die Großen sich fürchten mussten, die über Tage in Städten wiederhallten und aus denen Ikonen der Zeit geboren werden?
Wo sind sie alle hin, die engagierten, die wütenden, die schwarzen Literaten?
Ich hätte mir Andrew O'Hagan ansehen sollen. Am Ende blieb das Buch in meiner Hand, sogar signieren habe ich es mir lassen, weil ich so schnell aus dem Theater gehüpft war, dass sich noch gar keine wirkliche Schlange gebildet hatte und ich als dritte dran war. Irgendwas will man ja mitnehmen, ein 'Ich-war-da', auch wenn ich zugeben muss, Buch und Unterschrift lasten auf meiner Moral. Bestraft wurde ich auch schnell genug - beim genaueren Hinsehen stellte sich schnell heraus, dass ich mir nicht einmal das richtige Buch, also 'The Wah-Wah Diaries' gekauft hatte, sondern 'The Wah-Wah Diaries. The Making of a Film'. Ein Tagebuch von einem, der darüber Tagebuch führt wie er ein Tagebuch verfilmt. Ein Buch, das anfängt mit den Sätzen: "The Ivy, London. The producer Hilary Heath has invited me for lunch to discuss possible projects. (...) Tall, impulsive and unfazed, she accomodates my tangential idea and clucks welcome noises of enthusiasm when I suggest spooling forth the synopsis between mouthfuls of Ceasar salad." Ein Buch, das ich niemals lesen werde, das weiß ich jetzt schon, und ich kann es nicht mal umtauschen, weil ich es ja signieren habe lassen. You get what you deserve.